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Querdenker der Corona-Krise: Schutzvisiere statt Handtaschen

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Querdenker der Corona-Krise: Schutzvisiere statt Handtaschen

Während die einen infolge der Corona-Pandemie den Kopf in den Sand stecken, wachsen andere über sich hinaus. Einer davon ist Jens Klaiber aus Apolda, der innerhalb weniger Wochen die Produktion von Gesichtsvisieren auf die Beine gestellt hat und somit die Jobs aller Mitarbeiter retten konnte. Im exklusiven ZWP online-Interview schildert er den Weg von der zündenden Idee zum neuen Geschäftsmodell.

Angesichts der aktuellen Corona-Krise sind viele Unternehmer verschiedenster Branchen in ihrer Existenz bedroht. Auch Ingo Treu vom LederAtelier Apolda, ursprünglich auf Handtaschen spezialisiert, war ein Großteil der Aufträge weggebrochen, alle Mitarbeiter sollten entlassen werden. Als Jens Klaiber, selbst Unternehmer der Firma AnyTec Hygienesysteme, davon erfuhr, entwickelte er aus der Not heraus innerhalb von ein, zwei Tagen ein Konzept, mit dem man das Atelier retten könne. „Mein Gefühl sagte mir, dass Visiere bald in Massen gebraucht werden. Wir sind dann gemeinsam durch die Produktionshallen gegangen und überlegten, welche Maschinen, mit denen normalerweise Handtaschen gefertigt wurden, für die Herstellung geeignet wären“, erzählt er. Auf Basis vorhandener maschineller Gegebenheiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter war das Design der Visiere innerhalb von nur zwei Wochen entwickelt. Hinzu kam eine weitere Woche, und schon waren die ersten Gesichtsvisiere versandfertig. Das gemeinsame Projekt war geboren.

GALERIE

Fertiges Produkt © Jens Klaiber/Ingo Treu

Produktion der Gesichtsvisiere. © Jens Klaiber/Ingo Treu

Produktion der Gesichtsvisiere. © Jens Klaiber/Ingo Treu

Produktion der Gesichtsvisiere. © Jens Klaiber/Ingo Treu

Produktion der Gesichtsvisiere. © Jens Klaiber/Ingo Treu

Produktion der Gesichtsvisiere. © Jens Klaiber/Ingo Treunext

Umsatteln auf Visiere – ein Kinderspiel?

Was sich nach einem glatten Durchmarsch anhört, war jedoch gar nicht so einfach. „Eine große Hürde war erst einmal, geeignetes Material zu finden, und dann auch in großer Menge zeitnah zu erhalten.“, wie der Unternehmer berichtet. „Doch die größte Hürde ist, das Produkt bekannt zu machen. Ohne bestehendes Vertriebsnetz und ohne Werbebudget ist es eigentlich aussichtslos.“

Neuorientierung hat Mitarbeiter gerettet

Aber das Umsatteln hat sich in jedem Fall gelohnt. „Ohne Aufträge und Rücklagen hatte das LederAtelier keine Zukunft. Alle Mitarbeiter bekamen ihre Kündigung. Diese konnten allerdings dank des neuen Geschäftszweigs vor Ablauf der Kündigungsfrist wieder zurückgenommen werden“, so der Unternehmer. Dennoch war trotz Rettung die Neuorientierung des Ateliers für die Mitarbeiter nicht einfach, anfangs waren sie doch recht verhalten. Schließlich sollten sie ganz plötzlich ein Produkt fertigen, was ja so gar nichts mit Taschen zu tun hat. Auch wenn der Workflow noch immer stetig verbessert wird, scheinen sich alle an die neue Situation zu gewöhnen. Bereits jetzt produzieren sie täglich ca. 1.000 Visiere und können sogar leicht auf 2.000 erhöhen. Bereits 7.000 Gesichtsvisiere konnte das gemeinsame Projekt von Ingo Treu und Jens Klaiber bereits an den Mann bringen.

Visiere kommen gut an

Dass die beiden Unternehmer ihr Handwerk verstehen, zeigen die ersten Feedbacks des medizinischen Fachpersonals.

  • „Eure Visiere sind besser als die, die wir von der KV bekommen haben“ (Radiologe)
  • „Kontamination von oben über den Schweiß in die Augen wird verhindert – top. Und das Wichtigste ist, die Visiere verhindern, sich ins Gesicht zu fassen“ (Hausarzt)
  • „Endlich ein Visier, das ordentlich sitzt und nicht verrutscht bei der Arbeit“ (ZFA)

Der Anfang ist demnach gemacht und der Geschäftsmann hoffnungsvoll, dass dieses Konzept auch langfristig funktionieren wird. „Ja, wir haben die Chance, es zu schaffen, brauchen allerdings weiter etwas Glück, Unterstützer und Anwender, die uns weiterempfehlen!“ Er rät allen Unternehmern: „Querdenken, flexibel reagieren und sich nicht einfach darauf verlassen, dass, was schon immer funktioniert hat, auch weiter funktionieren wird. Abwarten kann gefährlich sein.“

Die Visiere sind online unter www.gesichtsvisiere.de erhältlich.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft!

Foto Teaserbild: Robert Kneschke – stock.adobe.com 

Quelle: https://www.zwp-online.info/zwpnews/wirtschaft-und-recht/praxishygiene/querdenker-der-corona-krise-schutzvisiere-statt-handtaschen

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